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Wildpflanzen auf dem Balkon
Anzucht auf der Fensterbank

Wildstauden selber aussäen

Ungeduldig, wie ich bin, habe ich dieses Jahr schon Ende Februar meine Stauden ausgesät. Eigentlich bringt das gar nichts, vor allem beschleunigt es nicht den Frühlingsbeginn. Nicht umsonst steht als Aussaathinweis auf den Samentütchen von Hof Berggarten: März – April. Ab März gibt es einfach mehr Licht und Wärme, der Frühling steht dann wirklich (fast) vor der Tür.

Schwalbenwurz to go

Fund auf dem Berliner Bölschefest: Schwalbenwurz to go. Aber wann findet man schonmal echte Wildpflanzen in normalen Gärtnereien?

Warum Stauden selbst aussäen?

Es macht Spaß, bringt ca. 4 bis 60 Pflanzen (das wilde Saatgut keimt oft recht unberechenbar) und ist auch nicht schwieriger, als die Aussaat von Einjährigen-Mischungen, etwa der M12: Wildblumenmischung für Wildbienen. (Die ist sehr empfehlenswert, da von Wildbienenexperten Paul Westrich mitentwickelt.) Überzählige Pflanzen kann man verschenken und so neue Wildblumen-Balkone quasi erzwingen. Außerdem ist das Aussäen deutlich günstiger, als alle Pflanzen fix und fertig von einer der spezialisierten Gärtnereien schicken zu lassen. Ok, in richtigen Staudengärtnereien findet man meistens ein schmales Grundsortiment an heimischen Wildpflanzen. Es handelt sich dabei um die Schönheiten, die schon immer in Gärten gepflanzt wurden: Akelei, Schlüsselblumen, Rotes Seifenkraut usw. Aber oft ist unklar, ob das jetzt nicht vielleicht doch irgendwelche gärtnerischen Auslesen (=Sorten) sind. Und Arten wie Hornklee oder Schwalbenwurz sucht man dort ohnehin vergeblich, weil sie aus gängiger gärtnerischer Sicht nicht ‚gartenwürdig‘ sind und eher unter der Rubrik Unkraut laufen würden.

Eigentlich muss man zum Thema Aussaat von Stauden nur drei Sachen wissen (bestimmt fallen mir später noch mehr ein…):

  1. Die kleinen Sämlinge wollen pikiert werden, wenn sie eine gewisse Größe haben. Pikieren heißt vereinzeln und erfordert – ich gebe es zu – eine leicht überdurchschnittlich ausgeprägte, gärtnerisch beseelte Feinmotorik.
  2. Die Pflanzen wachsen manchmal im ersten Jahr nur klein und grün vor sich hin, ohne zu blühen. Es braucht also Geduld und ausreichend Platz für den Pflanzenkindergarten, falls man die Jungspunde noch nicht in den endgültigen Kästen haben will. Viele Wildpflanzen sind aber wild genug, um schon im ersten Jahr zu blühen! Übrigens: Solange die Pflanzen noch sehr klein sind und es draußen strengen Frost gibt, sollten sie auch lieber drin bleiben. Dort bevölkern sie dann bei mir  gut und gerne bis weit in den April hinein die Fensterbänke.
  3. Es gibt auch torffreie Aussaaterde, etwa die von Neudorff. Damit war ich ganz zufrieden.

Hier mal ein Eindruck von meiner Fensterbank Ende April. An wärmeren Tagen stelle ich die Kisten zum Abhärten nach draußen. Damit beginnt man übrigens zunächst stundenweise, damit sich die Kleinen langsam an das UV-Licht, den Wind und die Kälte gewöhnen können. Sie bilden dann festeres Blattgewebe aus und wachsen langsamer und gedrungener.

Unser Fenster geht Richtung Süden, was optimal für den Pflanzenkindergarten ist. (Am Nordfenster würde ich es erst gar nicht versuchen. Südost und Südwest dürften auch ok sein.) Trotzdem habe ich noch zu Trick 17 gegriffen und Alufolie hinter die Töpfchen geklemmt. Sie dient als Reflektorschild und sorgt dafür, dass sich die Pflanzen gar nicht oder weniger zum Licht hin biegen. So vermeidet man es, dass sie lang und krumm werden, was in der Gärtnersprache ‚vergeilen‘ heißt.

Was schief gehen kann

Vergeilte Keimlinge kippen leicht um und entwickeln sich schlechter. Optimalerweise vermeidet man ein solches Wuchsbild. Falls es doch mal zuwenig Licht gab, oder der Partner bzw. die Partnerin die Alufolie am Fenster entschieden zurückgewiesen hat: Hier ein schönes Video von Alys Fowler, wie man mit solchen vergeilten Sämlingen umgeht. Außerdem zeigt sie, wie Pikieren funktioniert. Auch wenn ich es ein wenig anders mache. Good to know: Als Pikiererde mische ich die magere Aussaaterde mit normaler torffreier Erde 50:50, das klappt ganz gut. Je nach Pflanze – also, ob sie auf magerem Standort wächst oder nicht – variiere ich das Mischungsverhältnis. Eine es mager liebende Nelke bekäme dann mehr Aussaaterde und eine es nährstoffreicher brauchende Waldwitwenblume mehr torffreie Erde.

 

 

Manchmal geht auch etwas schief und führt zum Totalausfall. Bei mir hat es dieses Jahr das Töpfchen (aufgeschnittene Tetra Paks sind wunderbar dafür) mit pikierten Ochsenaugen (Buphtalmum salicifolium) von der Fensterbank geweht. Dort standen sie zum Abhärten und Sonne Tanken. Das Tetra Pak flog ein Stockwerk nach unten, auf die Terrasse von Nachbar Matthias. Der fegte alles zusammen und stellte es, versehen mit einer kleinen Nachricht, vor die Tür: „Kein Problem…passiert. Gruß, Matthias.

Botschaft vom Nachbarn

 

 

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