Wildpflanzen auf dem Balkon

Allgemein

Herbstgefühl bereits Ende Juni

Hilfe, alles verblüht!

Pflanzen in Töpfen und Kästen sind extremen Temperaturen und Trockenheit ungeschützter ausgesetzt. Sie verblühen schneller. Und mit dem Hitzestress kommen dann auch die Schädlinge.

Gärtnern für den Artenschutz

Immer mehr heimische Wildpflanzen sind bedroht und landen auf der Roten Liste. Jetzt können interessierte Bürger aktiv werden und auf ihrem Balkon oder in ihrem Garten einen handfesten Beitrag zum Artenschutz leisten. Das in dieser Form einzigartige Projekt „Urbanität und Vielfalt“ findet an den Standorten Berlin, Marburg und Dresden statt.

So funktioniert es

  1. Die Botanischen Gärten Marburg und Potsdam, das Späth-Arboretum in Berlin sowie das Dresdner Umweltzentrum stellen eine Auswahl an Jungpflanzen zur Verfügung. Es handelt sich ausschließlich um in der Region bedrohte Pflanzenarten.
  2. Pflanzenpaten nehmen die jungen Pflanzen mit nach Hause und pflegen sie auf dem eigenen Balkon oder im Garten weiter. Wer keine geeignete Fläche zur Verfügung hat, nutzt alternativ die projekteigenen Archebeete.
  3. Nach wenigen Monaten bringen die Pflanzenpaten ihre ausgewachsenen Pflanzen zurück zum Projektstandort. Diese werden dann in sorgfältig ausgewählten Naturschutzgebieten ausgepflanzt.

Um mitzumachen, braucht es kein gärtnerisches Vorwissen oder Kenntnisse zum Artenschutz. Pflegehinweise und wichtige Tipps bekommen alle Teilnehmenden vor Ort bei den Informationsveranstaltungen. Ansprechpartner stehen telefonisch oder per Mail zur Verfügung. Weitere Informationen finden sich unter https://urbanitaetundvielfalt.de/projekt/.

Brücke zwischen Stadt und Land

Die Intensivierung der Landwirtschaft hat in den letzten Jahrzehnten zu einer beispiellosen Verarmung der Artenvielfalt geführt. In den Städten finden viele Pflanzen dagegen noch Rückzugsräume, da Parks und Wiesen weder gespritzt noch gedüngt werden. Vor diesem Hintergrund setzt „Urbanität und Vielfalt“ ganz auf die Stadt als neuen Ort des Naturschutzes. Und holt gleichzeitig alle mit ins Boot, die Lust haben, zu gärtnern und konkret etwas für den Artenschutz tun möchten. Bisher unbekannte und seltene Schönheiten wie Gelbes Sonnenröschen, Färber-Hundskamille oder echtes Herzgespann lassen sich nun auf städtischen Balkonen antreffen und kennenlernen.

Das Projekt wird im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt gefördert und läuft vier Jahre.

Kontakt Standort Berlin:

Patrick Loewenstein

Öffentlichkeitsarbeit
0163 292 89 80
presse-berlin@UundV.de

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Die Praxis: Bei Null anfangen

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Gefäße und Bewässerung

Ich nutze ganz normale Balkonkästen aus Plastik mit Untersetzern. Die Untersetzer sind wichtig, damit das Gießwasser nicht ungehindert auf Nachbars Balkon tropft. Plastik sieht leider weder gut aus, noch hat es den Ruf, besonders ökologisch zu sein. Aber: Es wiegt fast nichts (Stichwort Traglast des Balkons) und es hält gut die Feuchtigkeit im Substrat. Erde in Tongefäßen trocknet deutlich schneller aus. Plastikgefäße sind die Quick and Dirty – Lösung der Wahl, wenn ihr nicht zuviel Geld investieren könnt und an dieser Stelle lieber eine niedrige Hürde nehmen wollt. Sie sind günstig und überall erhältlich. Tatsächlich stehen bei mir aber zusätzlich noch alle erdenklichen Gefäße herum, von Ton über Tetrapaks bis Terrakotta und Holz. Wichtig ist nur, dass es Abzugslöcher für das Gießwasser gibt, sonst können euch die Pflanzen bei Staunässe wegfaulen. Auch eine Mandarinenkiste habe ich bepflanzt, derzeit beherbergt sie Wundklee und Heidenelke. (Der Trick: Einfach einen abgeschnittenen Erdbeutel reinlegen, mit ein paar Löchern drin, damit das Wasser abfließen kann.) Terrakotta ist übrigens frostfest, was man von Tongefäßen nicht gerade behaupten kann. Trotzdem halten meine Tontöpfe immer ein paar Jährchen, dann bekommen sie leider die ersten Haarrisse vom Frost.

Wenn ihr öfter ein paar Tage weg seid, lohnt es sich, umso größere Gefäße und Kästen anzuschaffen. Je mehr Erdvolumen, desto besser die Wasserspeicherung. Eine andere Möglichkeit ist es, Wasserspeicherkästen anzuschaffen. Sie haben ein Wasserreservoir und so könnt ihr mal ein Wochenende überbrücken. Allerdings kann es sein, dass manchen eher trockenheitsliebenden Arten die feuchten Füße nicht gefallen. Oder ihr nutzt Tonkegel, auf die ihr eine Wasserflasche schraubt. Wer länger den Balkon verwaisen lässt, braucht eine Tröpfchenbewässerung oder nette Nachbarn. Ich nehme meine Jungpflanzen durchaus auch mal im Kofferraum mit..

Erde/Substrat

Ich nutze auf dem Balkon zwei Substrate: Wenn verfügbar, kaufe ich torffreie Bio-Hochbeeterde. Oder ich kaufe ganz normale torffreie Bio-Blumenerde. Mittlerweile gibt es unzählige Anbieter, aber ich habe noch keine großen Unterschiede festgestellt. Wichtig ist, dass das Substrat torffrei ist, damit nicht die letzten Moore für unsren Balkon dran glauben müssen. Auch Aussaaterden gibt es mittlerweile torffrei. Manchmal haben Pflanzen Schwierigkeiten bei der Umstellung auf das neue Substrat, was sich z.B. in leicht gelben Blättern oder anderen Wachstumsstörungen zeigt. Meistens gibt sich das nach kurzer Zeit wieder. Da viele der von mir verwendeten Stauden eigentlich in der Natur auf mageren Böden wachsen, sind sie manchmal im ersten Jahr richtig überdüngt. Sie schießen dann ins Kraut und wuchern übertrieben, z.B. meine Pfingstnelke. Sie sieht aus wie eine explodierte graugrüne Klobürste. Im zweiten Jahr gibt sich das dann aber meist. Und spätestens im dritten muss man oft schon nachhelfen mit Dünger (z.B. Wurmhumus oder Horngrieß). Bei Pflanzen, die viele Nährstoffe brauchen, müsst ihr evtl. schon früher düngen. Übrigens: Dass eure Pflanze Dünger braucht, merkt ihr an ihrem kümmerlichen Wachstum und hellen Blättern.

Und was ist mit Selbermachen? Wäre es nicht gut, den natürlichen Standort der Pflanze in punkto Substrat nachzuempfinden? So einen schönen alpinen Geröllhang vielleicht? Im Botanischen Garten haben wir quasi für jede Pflanze eine eigene Mixtur gezaubert. Es gibt auch GärtnerInnen, die spezielle Erdmischungen für den Balkon vorschlagen. Meistens enthalten sie mineralische Zuschlagstoffe wie Sand, Blähton, Perlite oder Vermiculit. Selbermischen ist toll, und ihr könnt experimentieren, was das Herz begehrt. Allerdings rate ich von in den meisten Fällen davon ab, zuviel Sand unterzumischen. Sand drainiert, d.h. er mindert die Wasserhaltefähigkeit. Bei wochenlanger Hochsommerhitze werdet ihr dankbar sein, wenn euer Substrat nicht gefühlt alle zwei Stunden gewässert werden muss. Anders sieht es aus, wenn euer Balkon nicht regengeschützt ist und die Gefäße in den regenreichen Jahreszeiten geflutet werden.

Blähton und Perlite dagegen steigern die Wasserhaltefähigkeit, was ihr unbedingt wollt! Letzlich stellt sich aber die Frage, ob sich der Aufwand lohnt, wenn die meisten Pflanzen auch in der Normalo-Erde ganz gut gedeihen. Aber ich gebe zu: So mancher Schönheit der Trockenstandorte (etwa meine Pfingstnelke) würde es in einem abgemagerten Substrat besser gehen.

Pflanzen

Bevor ihr euch für bestimmte Pflanzen entscheidet, müsst ihr erstmal wissen, wieviel Stunden Sonne ihr habt. Für die meisten Arten ist ein halber Tag Sonne optimal, d.h. ca. 6 Stunden. Wenn ihr einen Ost- oder Westbalkon habt, haut das ganz gut hin. Bei einem Nordbalkon oder Südbalkon dagegen solltet ihr eure Pflanzen mit Bedacht aussuchen. Nicht jede Art brutzelt gut gen Süden und nur wenige Arten blühen im Vollschatten.

Überlegt euch, welche Kriterien ihr wichtig findet: Wollt ihr bestimmte Insekten speziell fördern? Oder habt ihr eine bestimmte Ästhetik vor Augen? Soll es besonders pflegeleicht sein oder wollt ihr eine Bepflanzung, die auch der Schwiegermutter gefällt? Wollt ihr einen Blütenschwerpunkt im zeitigen Frühjahr oder lieber im Frühsommer, bevor ihr in den Urlaub fahrt? Oder, oder, oder… Ich werde im Lauf der Zeit unterschiedliche Pflanzvorschläge mit besonderen Kombis posten. Vielleicht ist ja auch was für dich dabei.

Pflanzzeit ist klassischerweise im Frühjahr oder Herbst. Manche Pflanzen haben im ersten Jahr Probleme mit der Überwinterung, wenn sie spät gepflanzt wurden und noch nicht richtig eingewachsen sind. Eine Pflanzung in Topf oder Kastern verschärft dieses Problem noch, da die Winterhärte im gewachsenen Boden deutlich besser ist. (Ein Beispiel dafür ist Aster amellus, die Kalkaster. Sie sollte nur im Frühjahr gepflanzt werden.) Wenn man das Gießen im Auge behält, spricht für viele robuste Arten auch nichts dagegen, im Sommer gepflanzt zu werden. Sollte gerade eine Hitzewelle durchs Land rollen und ihr einen Südbalkon haben, ist es dann besser, den Pflanzen in der ersten Zeit einen Sonnenschirm aufzustellen oder sie sonstwie zu schattieren.

 

 

 

 

 

 

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